RG Rhein-Main-Neckar 23.07.: “Paradigms, Pandemics & Power: Lessons for Intercultural Communication Theory & Practice”

Im 6. Teil der “Moving Online” Series der Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar wird Prof. Milton J. Bennett in einem Webinar über “Paradigms, Pandemics & Power: Lessons for Intercultural Communication Theory & Practice” sprechen.

 

“The disruptive covid-19 pandemic has exposed a broader section of society to long- existing issues of social injustice, resulting in dramatically more powerful demands for counteracting a legacy of colonialism and racism. But there is another disruption fueling these demands, and we neglect it at the risk of losing this opportunity for social change.  We are on the crest of a paradigm shift — a fundamental change in the way that we understand reality. Previous paradigm shifts have been dangerous times, fraught with conspiracies and virulent nostalgia, and this one seems no exception. As practicing interculturalists, we can resist the temptation to do more of the same, more strongly, and direct our efforts into the game-changing new paradigm.”

 

Dr. Milton J. Bennett  directs the Intercultural Development Research Institute located in the USA and Italy (www.idrinstitute.org). He is an adjunct professor of intercultural communication at the University of Milano-Bicocca and an active consultant to corporations and universities. Dr. Bennett studied physics and English literature at Stanford University, psycholinguistics at San Francisco State University, and received the Ph.D. in intercultural communication and sociology at the University of Minnesota. He originated the Developmental Model of Intercultural Sensitivity and authored Basic Concepts of Intercultural Communication: Paradigms, Principles, and Practices.

 

Die Veranstaltung wird über ZOOM stattfinden.
Uhrzeit: 17:00 – 18:00 Uhr (CET)
Bei Interesse einfach eine E-Mail senden an: regiofrankfurt@sietar-deutschland.de
Die Zugangsdaten werden Ihnen dann mitgeteilt

RG Köln-Rhein-Ruhr: Sommertreff am 14. August 2020

 

Die RG Köln-Rhein-Ruhr veranstaltet am 14. August einen Sommertreff unter dem Motto „Endlich einmal wiedersehen“.

„Nach der langen Pause möchten wir endlich wieder einmal die Gelegenheit bieten, uns live und in Farbe zu treffen. Wir laden unsere Regionalgruppenmitglieder nach draussen in einen Garten ein. Wir freuen uns darauf, gemeinsam einen Sommerabend zu geniessen und uns zu aktuellen Themen auszutauschen.”

Anmeldung: regiorheinruhr@sietar-deutschland.de

Ort: wird bei Anmeldung bekannt gegeben

Datum: Freitag, 14. August 2020, 19-22 Uhr

Nur für Mitglieder, max 20 Personen

Wechsel im Vorstand von SIETAR Deutschland e.V. // SIETAR Germany elects new board members

 

SIETAR Deutschland e.V. hat seit dem 20. Juni 2020 einen neuen Vorstand. Der insgesamt 7-köpfige Vorstand besteht aus Christiena Kirchhoff – 1. Vorsitzende; Monika Krause – 2. Vorsitzende; Stephan Hild – Schatzmeister; Julia Johnansen – Ressort SIETAR Europa; Michelle Cummings-Koether – Ressort Wissenschaft & Forschung; Dr. Iris Wangermann – Ressort Weiterbildung und Alejandro Pastor – Ressort Young Professionals. Hinzu kommt auch weiterhin Gaby Hofmann als leitende Person in der SIETAR Deutschland Geschäftsstelle. Der neu gewählte Vorstand freut sich sehr darauf die Entwicklungen des Vereins weiterhin positiv nach vorne zu bringen!

An dieser Stelle möchten wir uns von den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern verabschieden und ihnen nochmal einmal herzlich für Ihr Engagement der letzten Jahre danken: Frank Beckmann, Derek Tronsgard, Antje Boijens und Gary Thomas (wechselt in den organisatorischen Beirat)

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We are happy to announce that SIETAR Deutschland e.V. has a new Board as of 20. June. The 7-member board consists of Christiena Kirchhoff – 1st Chairwoman; Monika Krause – 2nd Chairwoman; Stephan Hild – Treasurer; Julia Johnansen – SIETAR Europa; Michelle Cummings-Koether – Science & Research; Iris Wangermann – Education and Alejandro Pastor – Young Professionals. In addition, Gaby Hofmann will continue to be the head of the SIETAR Deutschland office. The newly elected Board is looking forward in continuing to bring the developments of the association forward!

We would like to take this opportunity to thank the departing members of the board for their commitment over the past years: Frank Beckmann, Derek Tronsgard, Antje Boijens and Gary Thomas (moves to the organisational advisory board).

RG Westfalen 23.07. Online Treffen: „Wie interaktiv kann ein interkulturelles online Training sein? Vorstellung ausgewählter Apps”

Das erste Online-Regionaltreffen unserer Gruppe aus Westfalen

Thema: Wie interaktiv kann ein interkulturelles Online Training sein? Vorstellung ausgewählter Apps”

 

Moderation: Ghotai Sardehi-Nurzai (Foto) und Mechthild Müller

Kontakt/Anmeldung: regiowestfalen@sietar-deutschland.de

Am 23.07.2020 von 17:00 bis 18:30 statt.

 

Inspirierendes Mentoring zwischen München und Berlin – Ein Erfahrungsbericht

 

Ein Erfahrungsbericht von Anna Schwark (Mentee) und Cornelia Schultheiss (Mentorin) zum SIETAR Deutschland Mentoringprogramm

 

Wer glaubt, dass bei Mentoringprogrammen nur der_die Mentee neues lernt, wird sich wohl eines Besseren belehren lassen müssen. In unserem Fall war die Teilnahme am Mentoring-Programm von SIETAR für beide Seiten eine wunderbare Quelle der Inspiration und eine hervorragende Möglichkeit uns unserer eigenen Profile und USPs bewusster zu werden. Ganz nebenbei konnten wir beide auch einen faszinierenden neuen Menschen kennen und schätzen lernen, mit dem wir ohne das Programm höchstwahrscheinlich nicht so einen regen Austausch gehabt hätten.

Wir sind sehr unterschiedlich bezüglich vieler Dimensionen: Alter, Erfahrungen, Lebenssituation, Entwicklungsstand als Trainerinnen und natürlich den daraus entstehenden Fragestellungen. Vielleicht kann man hier auch noch die Denkweise mit aufnehmen. Zumindest bezüglich der Ausgangspunkte, denn bezüglich der Grundeinstellung gegenüber anderen Menschen sind die Unterschiede plötzlich gar nicht mehr so groß. Genau diese Grundhaltung und der Wille voneinander zu lernen hat unser Mentoring wahrscheinlich auch so erfolgreich gemacht.

So hat Cornelia mir als Mentee unglaublich viele neue Impulse mitgegeben. Unsere Gespräche und ihre Unterstützung motivieren mich immer wieder „dran zu bleiben“ und mich als Trainerin weiterzuentwickeln. In einigen Aspekten hat sie sogar eine Vorbildfunktion für mich eingenommen. Auch Cornelia, als Mentorin, hat von manchen Situationen sogar als Mentee profitiert und konnte ihre Gründungsphase auf angenehme Weise nochmal Revue passieren lassen. Durch unsere verschiedenen Sicht- und Herangehensweisen ist ihr und auch mir außerdem die Vielfalt der möglichen Ansätze in unserem gemeinsamen Thema noch bewusster geworden.

Da wir in München und Berlin leben, fanden unsere monatlichen Gespräche via Skype statt. Trotz der „Technik“ dazwischen, musste wir keine Abschläge bezüglich der Qualität der Gespräche machen. Ein kleiner Höhepunkt war dennoch unser Treffen bei einem ausführlichen Frühstück in Berlin. Wenn sich die Möglichkeit ergibt wird das mit Sicherheit wiederholt. Ob in München, Berlin oder ganz woanders, denn bei einem Treffen mit netten Menschen zu einem spannenden Austausch ist der Ort ja schon fast egal. Das Mentoringprogramm ist für uns somit ein weiterer wichtiger Nutzen unserer Mitgliedschaft bei SIETAR – auf professioneller und persönlicher Ebene.

 

MEHR ZUM MENTORING PROGRAMM

RG München 24.09. Webinar: “Open Online Catalogue of Intercultural Tools for Vocational Education and Training”

 

Referentin: Simona Fabellini

CIT4VET – Open Online Catalogue of Intercultural Tools for Vocational Education and Training ist eine frei zugängliche Datenbank und wurde speziell zur Förderung interkultureller Kompetenzen im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung entwickelt. Simona Fabellini wird das EU-geförderte Projekt und die Online-Datenbank vorstellen. Sie wird zeigen, wie die über 100 gesammelten Tools der Datenbank es Trainer*innen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung ermöglichen, ihre interkulturellen Kompetenzen zu beurteilen, weiterzuentwickeln und in Trainings anzuwenden. Darüber hinaus stellt Simona Fabellini vor, wie Trainer*innen der beruflichen Aus- und Weiterbildung unter Berücksichtigung des erfahrungsorientierten Lernens ihre Trainings auf die Bedürfnisse kulturell diverser Zielgruppen abstimmen können.

Donnerstag, 24. September 2020 – 18:30 – 20:30 Uhr

RG München 23.11. Webinar: “Deep Culture Learning”

 

ReferentInnen: Matthieu Kollig und Anna Schwark

 

Worauf liegt unser Fokus, wenn wir interkulturelle Trainings geben? Bieten wir Erkenntnisse über nicht anwesende “Andere” an? Oder klären wir darüber auf, was mit uns “Selbst” (mit den Anwesenden) geschieht, wenn wir uns interkulturellen Herausforderungen stellen? Autoren wie Joseph Shaules laden uns dazu ein, den Fokus von den “Anderen” auf das “Selbst” zu verschieben. Dieses Thema möchten Matthieu Kollig und Anna Schwark an diesem Abend beleuchten und Impulse dafür geben wie Konzepte aus dem Deep Culture Learning Modell nach Joseph Shaules im Training einfließen können.

 

Montag, 23. November 2020 – 18:30 – 20:30 Uhr

Anmeldung per Mail: regiomuenchen@sietar-deutschland.de

Stellungnahme des Organisationsteams zum abgesagten SIETAR BarCamp 2020

Liebe Teilnehmende, liebe Interessierte, liebe Sietar-Mitglieder,

wir, Euer BarCamp-Organisationsteam, bedauern es sehr, dass wir das für den 10. – 13. Juni 2020 geplante BarCamp auf dem LebensGut in Pommritz absagen müssen.

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen durch die COVID 19-Pandemie ist es uns leider nicht möglich, in diesem Zeitraum eine Präsenzveranstaltung stattfinden zu lassen.
Aber: aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Wir haben es weiter ganz fest vor, das BarCamp auf dem LebensGut zu veranstalten, und hoffen, dass wir uns – vielleicht im nächsten Jahr – dort treffen können, um gemeinsam eine inspirierende und erlebnisreiche Zeit zu verbringen.

Bleibt gesund und passt gut auf Euch auf. Wir melden uns wieder, sobald es etwas Neues gibt.

 

Euer BarCamp-Team
Christine Wirths, Dr. Iris Wangermann, Monika Krause, Robert Gibson.

www.sietar-forum.de

Was für ein großartiger Congress!

Ein Erfahrungsbericht zum SIETAR Europa Congress 2019 in Belgien

von Derek Tronsgard

 

Was für ein großartiger Congress! Der Sietar Europa Congress 2019, unter dem Motto „Building Dialogues on Diversity“ ist nun zu Ende gegangen. Im schönen Löwen, Belgien, kamen gut 500 Interkulturalist_innen aus der ganzen Welt zusammen. Ich habe tolle Gespräche geführt, viel Inspiration gesammelt und vor allem wurde ich sehr daran erinnert wie wichtig interkulturelle Kompetenz in unserer heutigen Welt ist.

Begrüßt wurden die Congress-Teilnehmer_innen vom Bürgermeister der Stadt Löwen, Herrn Mohamed Ridouni. Er hieß uns in seiner Stadt mit einer inspirierenden Rede über Energie, die freigesetzt wird, wenn man auf Offenheit, Empathie und der Kraft der Diversität setzt, willkommen.

Ich habe in vielen Reden auf dem Congress ein Gefühl der Dringlichkeit empfunden. Schon am ersten Tag ließ uns Aminata Cairo an ihrer bewegenden Geschichte über den Einfluss der Ereignisse in Ferguson, MO teilhaben. Sie hat mit uns gesungen und hat uns aufgefordert, genau zu überlegen aus welchen Gründen und zu welcher Zeit man schweigt, anstatt eine Stimme zu erheben.

Wir Interkulturalist_innen wurden regelrecht aufgefordet, vermehrt Dialoge zu fördern und unsere Diversität zu nutzen: Leadership, Unconscious Bias, Vorurteile, Polarisierung, interkulturelle Stärke, Inklusion, kulturelle Anpassung im Kontext der Migration, kulturelle Identität und kulturelle Diversität – es wurden viele ernste Themen mit großer gesellschaftlicher Relevanz besprochen.

Ein besonderes Highlight des Congresses war das Film Festival. Ich fand den Film „Brown Eyes, Blue Eyes“ von Seyda Buurman-Kutsal besonders stark. Der Kurzfilm zeigte die Perfidität der Privilegien von In-Groups gegenüber Out-Groups auf schonungslose Art. Der Film „Our Man in Teheran“ gab Einblicke in den modernen Iran, durch die Augen von starken iranischen Frauen. Wir durften lachen, als wir die Abenteuer von Eishockey-spielenden Somalis in Schweden sahen und wurden sehr nachdenklich, als wir Gesprächen aus Molenbeek lauschen durften, dem bis zu den Paris-Attentaten relativ unbekannten Stadtteil von Brüssel, der kurzzeitig im Scheinwerferlicht der ganzen Welt gestanden hatte.

Natürlich gab es auch reichlich Input für die Trainer_innen. Es wurden ganz praktische Übungen zu den Themen Leadership Development, Change Management, Difficult Conversations, Storytelling und Collaboration angesprochen. Zum Beispiel führte Matthew Hill – alleine! – mit 65 Teilnehmern aufgeteilt in 8 Gruppen durch zwei unterschiedliche Übungen zu Kollaboration durch. Großartig!

Wir waren sehr erfreut, dass SIETAR Deutschland so gut auf dem Congress vertreten war. Zehn SIETAR Deutschland Mitglieder haben Vorträge gehalten und es waren zusätzlich über 50 SIETAR Deutschland Mitglieder als Teilnehmende mit dabei. Ich lade Sie alle ein, auf LinkedIn die großartigen Zusammenfassungen zu lesen.

Am Ende nochmals einen Riesendank an SIETAR Europa für die Organisation eines so schönen Congresses. Ich hoffe sehr, dass wir Interkulturalist_innen dem Aufruf zum Dialog, der auf dem Congress allgegenwärtig war, nachkommen und die Chancen durch Diversität, die so schön aufgezeigt wurden, realisieren!

 

Abenteuer SIETAR-Mentoring: Gemeinsam auf Schatzsuche

 

 

Wie haben wir das SIETAR-Mentoring erlebt und was wollen wir anderen aus dieser Erfahrung mitgeben?

Wir, das sind Wiebke Homborg (Mentée), Chameleon, und Sabine Horst (Mentorin), QuinteSentio. Aus der Reflexion unserer persönlichen Erfahrungen während des gemeinsamen Jahres ist eine Geschichte entstanden. Unsere Geschichte, mit der wir uns nun auch aus den Rollen, die wir hinter uns lassen, verabschieden. Wir haben diese als eine Helden-Geschichte erlebt, mit der wir nun auch für das Programm werben wollen. Denn wir haben das Mentoring als eine sehr bereichernde SIETAR-Initiative erlebt, aus der wir beide dankbar viel in unsere Zukunft mitnehmen. Dieses Erleben wünschen wir vielen anderen auch.

 

Wie alles begann

Wiebke fand sich als frisch gebackene interkulturelle Trainerin und SIETAR-Mitglied in einem Wechselbad an Gefühlen. Sie hatte sich zu einer professionellen Weiterbildung aus dem Wunsch heraus entschlossen, ihre internationale Berufs- und Lebenserfahrung gestützt auf ihren biografischen Wurzeln als Third Culture Kid zu professionalisieren. Und so waren da ihr Rucksack voller Qualifikationen und Erfahrungen, der berechtigte Stolz auf die abgeschlossene Weiterbildung und die Begeisterung, damit gleich loszulegen. Diesem Gefühl der inneren Stärke und Motivation folgte jedoch mit verlässlicher Regelmäßigkeit eine Orientierungslosigkeit: Wie soll sie sich auf diesem unübersichtlichen Markt zurechtfinden? Die Akquise erwies sich mühsamer als erwartet und Wiebke wünschte sich jemanden zur Hilfe, ihre Energie in lohnende Bahnen zu lenken. Das Angebot eines Mentoring über SIETAR kam für sie daher genau zum richtigen Zeitpunkt.

So begegnete sie Sabine – virtuell, da Wiebke in Hannover lebt und Sabine in Stuttgart. Sabine ist seit mehr als 25 Jahren in der internationalen Personal- und Führungskräfteentwicklung tätig. Seit vielen Jahren bei SIETAR engagiert, sehr positiv Mentoring-erfahren und grundsätzlich immer neugierig, offen und an Austausch, Weiterentwicklung und neuen Begegnungen interessiert, war sie gleich angetan von dem neuen SIETAR-Engagement.

Was wie von Zauberhand erscheint, erfordert viel Know-how und Gespür: das Matching der Kandidaten. Und bei uns beiden hat es gleich auf der richtigen Wellenlänge „gefunkt“. Eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgversprechendes Mentoring war erfüllt: die Chemie stimmte! Und so machten wir uns gemeinsam auf den Weg, klärten Erwartungen, Wünsche, Hoffnungen und einen formalen Rahmen. Eine schriftliche Vereinbarung von SIETAR besiegelte unsere Absprachen. Ein wichtiges Ritual für eine professionelle Beziehungsgestaltung. Monatlich trafen wir uns von da ab per Skype.

 

Überwindungen und Hürden

Also noch weitere Termine im Kalender … Da sind auf der einen Seite Lust, Überzeugung, etwas Wichtiges zu tun, Freude auf die neue Wegbegleiterin, auf neue Erlebnisse und Erfahrungen – und auf der anderen Seite der gut gefüllte Kalender. So bestand eine von Sabines Herausforderungen als sowohl Begleiterin und Betroffene von VUKA zunächst darin, den Raum zu schaffen. Erfolgreich! Denn uns beiden waren gleichermaßen Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, Professionalität und Loyalität ein großes Anliegen. Das erfordert, die Treffen entsprechend zu gewichten. Und so ist uns die Regelmäßigkeit mit nur wenigen Ausnahmen von Terminverschiebungen gelungen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für den Aufbau einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auf Augenhöhe und Gewährleistung einer persönlichen Entwicklung. Ebenso hatten wir immer konkrete Themen und Fragen, so dass wir uns in jedem Treffen ergebnis- und zielorientiert austauschen konnten. Manchmal ging es uns beiden aber auch nur darum, mal Dampf abzulassen.

Wenn man sich so sehr mit dem identifiziert, was man tut, wie wir und viele andere unserer Kolleginnen und Kollegen, dann geht es in einem Mentoring nicht nur um Fachliches, um Strategien, sondern auch um Emotionen. Da gilt es, das ein oder andere auch einfach gemeinsam auszuhalten. Dazusein, auch wenn keine konkrete Lösung – noch nicht einmal ein Ansatz – sichtbar wird. Für Sabine war es eine Herausforderung, Wiebke zu ermutigen, auf ihre starken inneren Stimmen zu hören, auch wenn die scheinbare Vernunft manchmal einen anderen Weg gewählt hätte. Die Zeiten waren „früher“ doch anders … Was ist aus ihrer Geschichte wirklich hilfreich? Sabine hat über die Zeit hier eine große Gelassenheit entwickelt in dem Erlebnis, dass Wiebke ihren eigenen Weg gestaltet und durchaus auch andere Meinungen und Einschätzungen vertrat. Hier entwickelte sich ein großes Vertrauen zwischen uns beiden.

Wiebke war immer schon mit einem hohen Anspruch an sich selbst unterwegs, was manchmal auch als Ursache für Blockaden, für Unsicherheiten und mangelndes Selbstvertrauen wirkt. Die innere Kritikerin brauchte eine gute Rolle im inneren Team und hat sie im Laufe des Mentoring noch besser als positive Antreiberin und Qualitätssicherer gefunden. “Progress not perfection“ ist Wiebkes Leitsatz geworden, um die Kritikerin im Sinne eines „growth mindset“ immer wieder stimmig zu positionieren.

Sabine hat viel mitgenommen aus Wiebkes überzeugenden, tollen Ideen, ihrer Kreativität und Offenheit neuen Medien gegenüber und ihrer Art, die Dinge offensiv, aktiv und sehr fundiert anzugehen. So entstanden für beide co-kreativ neue Ideen, Lösungswege und Netzwerke. Ein wichtiger Aspekt war hierbei das interdisziplinäre Denken. Die Perspektiven zu erweitern statt mit der inneren Kritikerin zu begrenzen. Hier haben wir beide sehr von unseren unterschiedlichen Lebens- und Berufswegen und persönlichen und beruflichen Entwicklungen profitiert. Es war auch sehr spannend für uns zu sehen, warum die andere welche Entscheidungen für Weichenstellungen getroffen hat. In dieser Ideen-Entwicklung zu neuen Formaten, der Einbindung von Social Media, Vernetzung mit Experten aus anderen Disziplinen wie Coaching, Mindfulness in Organisationen etc. entstanden neue Ansätze zur Positionierung von interkultureller Kompetenz im Angebot als Trainer/-in und Coach.

 

Wofür hat sich das alles gelohnt?

Die Fragen: Welche Aufträge und Kunden möchte ich anziehen? Was will ich und was nicht? und weitere Fragen, die sich hieran anschließen, beschäftigen uns vermutlich ein Berufsleben lang.
Wiebke empfand, dass sie aus dem gemeinsamen Weg den Mut mitgenommen hat, mehr Authentizität zu wagen und ihren individuellen Weg weiter zu gehen. Sie entwickelte ebenso den Mut, sich für eine Coaching-Ausbildung zu entscheiden und damit einen langgehegten Wunsch in die Tat umzusetzen. In ihr wuchs mehr Sebstbewusstsein für ihre Einzigartigkeit, die in ihrer spannenden, persönlichen Historie liegt, einen wertvollen Beitrag zu interkulturellen Themen und Coaching leisten zu können. Diese Themen und die intensive Arbeit daran waren auch für Sabine sehr wertvoll. Denn durch die Fragen und Anliegen Wiebkes half es auch ihr, nochmals bewusst Dinge zu hinterfragen, die zur Selbstverständlichkeit geworden waren, Erfahrungen und Ressourcen zu wertschätzen, Entscheidungen zu treffen und an der ein oder anderen Stelle ihre Aktivitäten zu fokussieren.

 

Was hat uns geholfen, Herausforderungen zu meistern?

Wiebke findet, dass der innere Drang zu Veränderung und Wachstum ihr geholfen hat, die Herausforderungen, die sich ihr über das Jahr gestellt haben, zu meistern. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Sinnhaftigkeit. Die Leidenschaft für Menschen und interkulturelle Themen. Die Zuversicht, dass sie es schon irgendwie schaffen wird. Abenteuerlust, Ehrgeiz! Sie stellt resümierend fest, dass sie in der Mentoring-Beziehung und durch das, was sich daraus ergeben hat, viel dazu gelernt hat. Und wie geht es Sabine? All das, was Wiebke beschreibt, kann sie 1:1 übernehmen: ein Beweis dafür, dass unser Matching perfekt war! Sinnhaftigkeit, Verstehbarkeit und Handhabbarkeit finden sich als Bedürfnisse in Wiebkes Reflexion wieder, die grundlegende Werteorientierung und Leitsätze für Sabines berufliches Handeln orientiert an der Salutogenese.

 

Keine Heldengeschichte ohne Prüfungen und Gegenspieler

Schwierige Auftragslagen, pessimistische Konjunkturaussichten, Umgang mit Kritik, das Gefühl, nicht dazuzugehören, Selbstdisziplin für die Erledigung bürokratische Dinge, Vereinbarkeit von Beruf und Familie – das ist eine Menge, was Wiebke zu bewältigen hatte und immer noch in Teilen hat. Herausforderungen, mit denen sie nicht alleine ist. Sich offen diesen Herausforderungen zu stellen, sie aktiv anzugehen und sich selbst zu reflektieren, ist eine wichtige Fähigkeit. Auch das Erlebnis, dass viele – aber nicht alle – im beruflichen und privaten Umfeld wohlgesonnen sind. So erlebte Wiebke u.a. auch ablehnendes Konkurrenzverhalten, wo sie selbst Möglichkeiten für Synergien wahrgenommen hat. Diese Erfahrung teilt auch Sabine. Und so bedauern wir beide die nicht genutzten Potenziale und fokussieren uns auf Menschen und Organisationen, die ihren Weg mit uns gehen wollen.

 

Was nehmen wir mit in die Zukunft?

Am Ende eines Jahres mit vielen Erlebnissen, Veränderungen und Entwicklungen fühlt Wiebke sich darin bestätigt und gestärkt, den richtigen Beruf gefunden zu haben. Sie erlebt dies als erfüllend, befreiend und beflügelnd. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt eine Herausforderung. Zu deren Bewältigung ist es ihr wichtig, immer im Gespräch mit ihrem Mann und den Kindern zu bleiben. Denn ihre Familie spürt ihre Leidenschaft und den Drang zur Veränderung und unterstützt sie in dem, was sie tut. Das ist ein wahrer Schatz! Hierfür war es wichtig, organisatorische Rahmenbedingungen zu ändern und familiäre Aufgaben anders zu verteilen. Die Coach-Ausbildung stellt eine zusätzliche Anstrengung dar, ist aber bereits zur Hälfte geschafft und die Learnings empfindet sie als unendlich kostbar. Ihre Familie hat sich an ihre Selbstständigkeit gewöhnt und ist sogar ziemlich stolz auf sie. Genau wie sie selbst!

„Um diesen Schatz zu behalten, werde ich weiter auf innere Balance achten, regelmäßig Sport treiben, Arbeit und Familie besser abgrenzen und hoffentlich nie die Neugier und den Drang zu Wachsen verlieren!“ so Wiebkes Vorsätze für die Zukunft. Und rückblickend auf das Mentoring stellt sie fest: „Ich habe eine neue Kollegin und Freundin gefunden.“ Dem hat Sabine nichts mehr hinzufügen.

Und voller Dankbarkeit an SIETAR und namentlich Christiena Kirchhoff und Gary Thomas beginnt mit diesem Ende unsere neue Geschichte…

 

Wiebke Homborg, Chameleon, www.chameleon-coaching.com
Dr. Sabine Horst, QuinteSentio, www.quintesentio.de

 

MEHR ZUM MENTORING PROGRAMM

Gute Gründe für eine Mitgliedschaft bei SIETAR Deutschland

 

  • Zugang zum weltweiten SIETAR -Netzwerk und vergünstigte Teilnahme an SIETAR-Veranstaltungen und Angeboten, z.B. am SIETAR-Deutschland-Forum oder am europäischen SIETAR Kongress
  • Aktuelle Informationen zu interkulturellen Veranstaltungen, Themen, Gesuchen aus dem elektronischen Newsletter “SIETAR-Bote”
  • Stärkeres Eigenmarketing durch Angabe der SIETAR-Mitgliedschaft im Trainerprofil und in Ihrem Online-Auftritt
  • Zugang zu aktuellen Trainergesuchen und Stellengesuchen und damit Chance auf mehr Aufträge
  • Kostenfreie Zusendung von mondial, dem führenden Fachblatt für interkulturelle Fragestellungen aus Theorie und Praxis
  • Möglichkeit der Vernetzung und des fachlichen Austausch durch die kostenlose Teilnahme an den SIETAR-Regionalgruppentreffen
  • Informationen und Fortbildung durch reguläre Webinar-Angebote von SIETAR-Deutschland und SIETAR-Europa
  • Chance zur Mitgestaltung des Vereins und dessen Zukunft
  • Als ExistenzgründerIn im ersten Gründungsjahr oder Studierende/r zahlen Sie bei Ihrem Beitritt zu SIETAR Deutschland e.V. lediglich 50,00 €
  • Teilnahme an den Weiterbildungen von SIETAR Deutschland zu Mitgliederkonditionen Erhalt des zweimonatlichen Online-Journals von SIETAR-Europa

Neuigkeiten von der SIETAR Deutschland Mitgliederversammlung 2019

Ende März diesen Jahres kamen in Frankfurt die Mitglieder von SIETAR Deutschland zur alljährlichen Mitgliederversammlung zusammen.
Die zweite Vorstandsvorsitzende, Jeri Weber, gab die groben Eckpunkte des vergangenen Jahres wieder: Erhöhung der Attraktivität des Angebotes für die Mitglieder, Verbesserung der internen und externen Kommunikation, achtsamer Umgang mit den Finanzen des Vereins.

Noch mehr Aktivitäten
Wir sind sehr froh über die Akzeptanz des neu aufgeblühten Weiterbildungsprogramms. Das Angebot wird von den Mitgliedern gut angenommen – im vorherigen Jahr gab es vier ausgebuchte Angebote zu verzeichnen. Antje Boijens freut sich weiterhin über Ihre Vorschläge!
Auch die Regionalgruppentreffen finden weiterhin mit großem Teilnahmeinteresse statt. Die Regionalgruppen bleiben das Herz von SIETAR Deutschland. Sollten Sie es in der letzten Zeit nicht geschafft haben, an einem Regionaltreffen in Ihrer Nähe teilzunehmen, schauen Sie doch beim nächsten Mal vorbei. Übersichtliche Infos über die Regionalangebote können Sie stets in unserem Eventkalender finden.

Neue Vorstandsmitglieder
Es wurde ein neues Mitglied in den Vorstand gewählt: Frau Julia Johannsen übernimmt das Ressort Young Professional. Wiedergewählt wurde unser Finanzvorstand Frank Beckmann.
Wir gratulieren den beiden herzlich!
Julia Johannsen wird die Verantwortung für ein neues Ressort übernehmen: Young Professionals. Ziel des Ressorts ist es, den Generationswechsel besser zu berücksichtigen und neue Interkulturalist/innen direkt anzusprechen. Hierzu wollen wir den Zukunft stärker den Schulterschluss mit Young Sietar suchen und entsprechende Komplementärangebote aufstellen.

Organisatorischer Beirat
Im Jahr 2018 sind Frau Martina Tadli und Herr Alexander Scheitza aus privaten Gründen aus dem Organisatorischen Beirat ausgetreten. Somit befand sich zunächst nur noch Christine Wirths im Beirat. Doch hier hat sich nun einiges getan: Jeri Weber, die zuvor aus dem Vorstand ausgetreten war, konnte überzeugt werden, sich für den organisatorischen Beirat zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls hat sich das Gründungsmitglied Rob Gibson bereit erklärt, den organisatorischen Beirat mit seiner langjährigen Erfahrung zu unterstützen.
Damit setzt sich der Organisatorische Beirat ab sofort aus Jeri Weber, Rob Gibson und Christine Wirths zusammen.

Kommunikation
Im Jahre 2018 wurden unsere Kommunikationskanäle merklich ausgebaut. Wir freuen uns über den regelmäßigen Kontakt mit den Mitgliedern über den Boten und die nun zweijährige Herausgabe von mondial. Die zahlreichen Rückmeldungen der Mitglieder zu unserem Themenaufruf für mondial waren großartig – es gingen über 100 Vorschläge ein. „Interkulturalität & Politik“ sowie „Interkulturalität & Alltag“ wurden als kommende Themen für mondial gewählt.
Es gab auch weitere Arbeiten an der SIETAR Webseite: Wir haben den Member-to-Member-Blog eingeführt und einige Information im neuen Look angeboten. Derzeit überarbeiten wir die Bedienungsfreundlichkeit der Website. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Social Media Channel Managers
Gleichzeitig haben wir unsere Präsenz auf Social Media verstärkt. Im Moment liegt der Fokus auf Facebook. Wir wollen das Angebot aber erweitern und suchen Leute, die Lust und Zeit hätten einen weiteren Social Media Kanal zu betreuen. Nächste Priorität soll hierbei Instagram haben.
Hätten Sie Lust sich einzubringen? Dann melden Sie sich gerne bei uns!

Finanzen
Finanzvorstand Frank Beckmann stellte uns auf der Mitgliederversammlung die Zahlen von 2019 vor. Unser Vorsatz bleibt: Ein achtsamer Umgang mit den Vereinsfinanzen ist wichtig, da wir nur so zukunftsfähig bleiben. Der Verein arbeitet schon seit 4 Jahren erfolgreich mit einer schwarzen Null.
Die Mitgliederzahl hat sich stabilisiert und stieg zuletzt wieder leicht an. Derzeit befinden sich 525 Mitglieder im Verein.

„Doing Ausländer” – Antje Boijens über die Tagung „Verständigung in pluralen Welten“ an der FH Fulda

„Doing Ausländer“

Zielsichere Intuition, so könnte man das unglaubliche Gespür von Kirsten Nazarkiewicz, langjähriges SIETAR-Mitglied und inzwischen Professorin für Interkulturelle Kommunikation an der Fachhochschule Fulda nennen. Mit leichter Hand verbindet sie Fundstücke des Alltags mit dem jetzigen Moment auf eine Weise, die sofort augenfällig Sinn entstehen lässt. Diesmal stand ein erratischer Tafelanschrieb am Anfang ihrer Einleitung zu der Tagung „Verständigung in pluralen Welten“ an der Fachhochschule Fulda.

„Erfolgreich“, so begann sie, hätte sie dessen Säuberung im Vorfeld gegen vermeintlich mitdenkende Studentinnen verteidigt. Was da Besonderes zu sehen war: naja, Peptide eben, genauer: Chemische Formeln zu Peptiden und das kann ich wohl auch nur annehmen. Sicher sein kann ich mir mit meiner geisteswissenschaftlichen Vorbildung jedenfalls nicht und das betraf wahrscheinlich viele andere im vollbesetzten Vortragssaal. Nicht meine Welt, dachte ich, als ich beim Reingekommen auf die Tafel geschaut hatte und mich fragte: warum ist die Tafel nicht sauber?

Mit dem Verweis auf den für viele kryptischen Tafelanschrieb machte Kirsten Nazarkiewicz deutlich, wie disparat Welten heute sein können. Und auch welche unbewussten Erwartungen („saubere Tafel bitte!“) Handeln und Verstehen kulturell prägen. Dabei begegnen uns andere Welten ständig und sie begegnen uns zufällig, kontingent, wie die referierenden WissenschaftlerInnen im Anschluss nicht müde wurden zu betonen – eben wie jener Tafelanschrieb.

Verständigung unter diesen Umständen kann nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, so ihr eindeutiges Fazit, schon gar nicht wenn auch noch unterschiedliche Kulturen miteinander kommunizieren. Das alles ist längst in einem Maße der Fall, dass schon lange nicht mehr von einer abgegrenzten, auch noch nationalen Vorstellung eines Objekts, das sich dann Kultur nennt, die Rede sein kann. Vielmehr ist alles Prozess, fließend, weswegen auch Jürgen Boltens Diktum vom dynamischen Kulturmodell inzwischen allgemein wissenschaftlich anerkannt ist.

Bolten war bei dieser interkulturellen Tagung nicht dabei, dafür aber viele andere interessante und illustre Köpfe: Volker Hinnenkamp, zu dessen Ehren -er macht den Platz gewissermaßen frei für Kirsten Nazarkiewicz – die Tagung stattfand, Matthias Otten war mit einem wunderbar klaren Vortrag zu Hartmut Rosa aus Köln angereist, Andreas Groß trug warmherzig und kenntnisreich zur Bedeutung von Temporalität in interkulturellen Bildungskontexten vor, aus München war Katharina von Helmolt angereist. Sie alle stehen stellvertretend für weitere Kolleginnen und Kollegen, die das Publikum mit Nachforschungen darüber bereicherten, was Verständigung heute realistisch gesehen leisten kann.

Im Falle Katharina von Helmolts war es ein Nachdenken darüber, wie das explizite und reflexive Benennen eigener Perspektiven Gespräche bereichern und uns Zug um Zug („turn by turn“) in Richtung Verständigung führen kann. Damit das gelingt, das wurde besonders in der Diskussion deutlich, muss die Benennung eigener Perspektiven getragen sein von einer „moralischen Perspektive der Bescheidenheit“ (KvH), die die eigene Perspektive a priori und wie selbstverständlich in das Gros aller möglichen anderen einreiht. Schnell wurde deutlich, dass es genau der Verzicht auf den eigenen Absolutheitsanspruch ist, der die Verständigung in pluralen Welten überhaupt erst möglich macht.

Wie es aussehen kann, wenn Verständigung nicht gelingt, zeigte die junge Wissenschaftlerin Olga Artomonova in einem von feiner Ironie und Realsatire durchzogenen Vortrag über Normorientierung. LehrerInnen haben laut Schulgesetz die Pflicht, Schülern fehlerfrei Deutsch beizubringen. Mit dem Charme der Nicht-Muttersprachlerin sprach Olga Artomonova dann in ihrem wohltuend sachlichen, nie verletzenden Deutsch über das Verhalten einer Hauptschullehrerin, immer bemüht, deren positive Absichten geltend zu machen.

Das Resultat war nach der Meinung der anwesenden ExpertInnen dennoch so grottig, dass in der nachfolgenden Diskussion das Wort „schwarze Pädagogik“ fiel, so sehr stießen die von Artomonova aufgezeichneten Mitschriften der rüden pädagogischen „Verbesserungs“-Praxis auf den Widerspruch der ExpertInnen. Peinigend war auch schon das Mitlesen für uns als Zuhörende. Für die Schülerinnen und Schüler kann es in dieser Situation nur extrem erniedrigend gewesen sein, wofür auch wieder Kirsten Nazarkiewicz berührende und klare Begriffe fand.

Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Olga Artomonova verfolgte in ihrer Studie die so gemaßregelten Schüler in ihrem Verhalten bei anderen Lehrern. Es zeigte sich, dass sie sehr wohl in der Lage waren, „richtig“ deutsch zu sprechen. Die groben Fehler, die die Lehrerin meinte korrigieren zu müssen, waren ein spielerischer Registerwechsel der SchülerInnen. Sie spielten „Doing Ausländer“ mit ihr, hänselten sie damit die „Dummies“ zu sein und amüsierten sich dann wahrscheinlich köstlich über deren unbeholfene Versuche, ihnen „Deutsch“ beizubringen.

Kritisch lässt sich zu dieser für InterkulturalistInnen und auch andere plurale Weltbewohnerinnen und Weltbewohner sehr gelungenen und interessanten Tagung über die Mühen der Verständigung nur sagen, dass sie vielleicht ein bisschen zu lang war. Oder eher: dass der Tisch zu reichlich gedeckt war. Mir war der zweite Tag jedenfalls zu viel – ein Samstagvormittag, den ich zum Ausschlafen haben wollte. Daher habe ich auch leider Kirstens Vortrag über „Lernhürden, Diskursschranken und Blockaden“ nicht gehört, mit dem sie sich bescheiden am Ende der Tagung positioniert hat. Ich werde sie unbedingt um das Manuskript bitten.

Mit einem Blick auf die Uhr stelle ich fest, dass sie ihn überhaupt erst demnächst halten wird. Ich wünsche auf jeden Fall gutes Gelingen und denke noch einmal an Andreas Gross, der „kairologische Momente“ in den Mittelpunkt seiner Untersuchung zur Verständigung gestellt hat. Persönlich und ganz subjektiv möchte ich sagen: ich hatte sie, gestern in Fulda.

Antje Boijens, 8.12.2018, 10:53 Uhr

Ein Rückblick mit Perspektive: Dr. Nilüfer Boysan-Dietrich über den “Unconscious Bias”-Workshop von Robert Gibson

“Diversity is a fact, inclusion is a choice” (Justin Trudeau)

Am 10 November diesen Jahres sind ca. 30 Mitglieder und Freunde von SIETAR, zusammengekommen, um an dem Workshop „Unconscious Bias“ (dt.. etwa Unbewusste Voreinstellungen*) teilzunehmen und ihr Bewusstsein in diesem Feld zu erweitern.
Der Leiter des Seminars, Robert Gibson, ein bekannter Trainer, Interkulturalist und Buchautor, führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit viel Charme, Humor und einer leicht zugänglichen Sprache in das komplexe Thema ein. Das Seminar war nicht nur sehr gut strukturiert – Gibson überzeugte dabei auch selbst als lebendiges und vorangehendes Beispiel für Interkulturalität und Inklusion.
„Unconscious Biases“ , auch manchmal als blinde Flecken bezeichnet, werden durch persönliche Erfahrungen und Hintergründe erzeugt und verstärkt. Sie beeinflussen unsere Gedanken, Emotionen und unser Verhalten. Sie befinden sich meist implizit in unserem Unterbewusstsein und sind nicht selten inkompatibel mit unseren bewussten Wertevorstellungen. Wann immer wir in einer Reaktion auf das fast brain (Kahnemann) zurückgreifen, landen wir leicht in diesem Denkmodus, in dem uns nicht bewusst ist, dass wir gar nicht gedacht haben, sondern dass unser Gehirn wie bei einem Shortcut auf eine unbewusste Voreinstellung zugegriffen hat.
Doch nicht nur, weil es ganz nett ist, sich seiner Voreinstellungen bewusster zu sein, sondern vor allem, weil Entscheidungsprozesse in der Wirtschaft konstruktiver und besser werden können, erfreut sich das Thema „Unconscious Bias“ wachsender Beachtung in der Wirtschaftswelt.
Praktisch heißt das, so Gibson, dass es zunächst darauf an kommt, zu wissen wer man selbst ist. Dann geht es darum, den Unterschied bewusst-unbewusst zu verstehen, sein Verhalten zu korrigieren, und sich schließlich dafür einzusetzen, den eigenen Lernprozess an andere weiterzugeben.
Im Endeffekt können unbewusste Vorurteile nicht einfach „gelöscht“ werden, wir können uns ihrer jedoch bewusst werden. Nach Gibson ist es extrem schwierig, tief verwurzelte Vorurteile bei Einzelpersonen zu ändern – der wirkliche Impact, also echte Wirkung entsteht vor allem dann, wenn Vorurteile auf der Ebene der Organisationen adressiert werden; wenn es gelingt, Strukturen kritisch zu betrachten und sicher zu stellen, dass Negativeffekte möglichst begrenzt werden können.
Der Workshop dauerte leider nur einen Tag. Um noch mehr Einblick in das Themenfeld zu bekommen und sich intensiver dazu austauschen zu können, wäre es gut, an diesem Thema dranzubleiben und zum Beispiel Erfahrungen von Praktikern, wie Coaches und Therapeuten, miteinzubeziehen, die auf der persönlichen Ebene mit Voreinstellungen und blinden Flecken arbeiten.
Das könnte eine anspruchsvolle und lohnende Fortführung sein, um weiter Licht ins Dunkel des „Unconscious Bias“ zu bringen.

von Nilüfer Boysan-Dietrich
(ins Deutsche übersetzt von Jonas Keil/Antje Boijens)
*(Anm. der Autorin: Die deutsche Übersetzung des Begriffs “unconscious bias” ist leider etwas holprig, vielleicht würde sich auch “Unbewusste Vormeinungen” eignen – es bleibt abzuwarten, welcher Ausdruck sich durchsetzen wird)

Das dritte Geschlecht – wie ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts Diversität anerkennt

Das dritte Geschlecht – wie ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts Diversität anerkennt

Christina Röttgers & Ulrike Weber

 

Das dritte Geschlecht ist ein aktuell viel diskutiertes Thema in den Medien. Dabei geht es unter anderem um den Kostenaufwand, das dritte Geschlecht in amtlichen und organisatorischen Prozessen abzubilden (z.B. in Pässen und IT-Systemen) und darum, welche Konsequenzen für die derzeitige gesetzliche Notwendigkeit geschlechter- getrennter Toiletten gezogen werden. Neben diesen Aufregern gibt es jedoch einiges Wissenswerte zum Thema Intersexualität.
Was ist überhaupt das sogenannte „dritte Geschlecht“, unter dem alles zusammengefasst wird, was nicht „weiblich“ und „männlich“ zugeordnet wird? Dieser Artikel gibt im Folgenden Aufschluss über den biologischen Hintergrund, die Rechtsgrundlage in Deutschland sowie deren Konsequenzen für Unternehmen und Human Resources.

Der biologische Hintergrund

Um das Geschlecht zu bestimmen, gibt es drei verschiedene biologische Kategorien. Die erste Kategorie ist das genetische Geschlecht, welches über die Chromosomen definiert wird. Als zweites wird zwischen den sogenannten Gonaden unterschieden, den Hormone produzierenden Keimdrüsen. Die dritte Kategorie umfasst die Genitalien, äußeren Fortpflanzungsorgane. In den meisten Fällen stimmt das Geschlecht dieser drei Kategorien überein. Wenn eine dieser Kategorien ein anderes Geschlecht als die anderen aufweist, spricht man von Intersexualität. Das trifft geschätzt bei 0,02% der Bevölkerung zu. In Deutschland gäbe es demnach 16.600 Personen, die dem „dritten Geschlecht“ angehören. in Indien demnach 277.000 Personen bei 1.387 Milliarden Einwohnern (Weltbank, 2019).
Der Begriff „drittes Geschlecht“ kommt aus dem rechtlichen Sprachgebrauch. In der Historie dagegen wurden oft die Bezeichnungen „Hybriden“ und „Hermaphroditen“ benutzt. Medizinisch gesehen spricht man von einer Sexualdifferenzierungsabweichung (aus dem problematischen englischen „disorders“ of sex development, DSD). Die neutralsten und bevorzugten Begriffe sind Intersexualität oder Intergeschlechtlichkeit, da sie die Vielfalt der Geschlechter am besten darstellt und nicht auf Kategorien verkürzt. Ganz gleich, welchen Begriff man nutzt, primär geht es darum, die Diversität der Geschlechter zu akzeptieren.

 

Die gesetzliche Grundlage

Die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz in der europäischen Union wurde bereits 1997 in dem Artikel 13 im Vertrag von Amsterdam sowie in 2 weiteren Richtlinien in 2000 verankert. Mit dem Verbot von Diskriminierung wurde die Grundlage für eine Gleichbehandlung am Arbeitsplatz geschaffen. Das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ in Deutschland ermöglichte ab 2016 mit dem Diskriminierungsverbot eine finanzielle Entschädigung für nachgewiesene Diskriminierung. Jedoch liegt die Beweislast beim Geschädigten, was oftmals die Anwendung problematisch macht. Darüber hinaus beschützt das „Personenstandsgesetz“ von 2016 die sexuelle Identität einer Person. Auf dieser Grundlage urteilte das deutsche Bundesverfassungsgericht im Jahr 2017 nach einer Klage, dass es eine Diskriminierung von intersexuellen Personen darstelle, ihnen nicht die Möglichkeit zu geben, ein anderes Geschlecht, außer männlich und weiblich in Geburtsregister oder Pässe einzutragen. Die bestehenden Personenstandsgesetzte wurden daraufhin im Dezember 2018 geändert, und es muss eine dritte Option des Geschlechtes bei der Eintragung und im Geburtenregister sowie im Pass geben muss. Ebenso sind Arbeitgeber zur Gleichbehandlung von intersexuellen Personen verpflichtet.

 

Auswirkungen für Unternehmen

Unternehmen können in einigen Prozessen relativ einfach den Gleichbehandlungsgrundsatz von intersexuellen Personen befolgen. So sollten Stellenausschreibungen zusätzlich zu „m“ und „f“ ein „d“ oder „x“ beinhalten. Genauso sollte in der Personalverwaltung die Option „drittes Geschlecht“ hinzugefügt werden und die Kleiderordnung geschlechterneutral sein. Und auch die Forderung der Arbeitsstättenverordnung nach geschlechtlich getrennten Toiletten können Unternehmen durch weitere oder anders aufgeteilte Toiletten relativ einfach lösen. Schwieriger dagegen ist die angemessene Repräsentation von drei Geschlechtern im Sprachgebrauch (er oder sie oder wer?), denn wofür es keine Worte gibt, daran wird auch nicht gedacht. Die größte Herausforderung ist, die Akzeptanz des dritten Geschlechtes in den Werten Organisation zu verankern. Dies stellt wiederum eine Chance dar, Diversität im Allgemeinen zu fördern.

 

Gleichbehandlungsgrundsatz für das dritte Geschlecht fördert Diversität

Diese Herausforderung können Unternehmen nur meistern, wenn sich das Top-Management klar und aktiv zu einer inklusiven, Diversität fördernden Unternehmenskultur bekennt und bei verschiedensten Gelegenheiten dafür eintritt und darüber spricht. Mentoren und Testimonials Betroffener können die nötige Sensibilität und Förderung herstellen. Und es gibt noch weitere Vorteile.
Zahlreiche Studien belegen, dass gut gemanagte diverse Teams innovativer und kreativer sind, und somit eine Investition in Diversity schon allein als Kosten-Nutzenrechnung attraktiv erscheint (Nancy Adler, 2007). Bei einem Bevölkerungsanteil von nur 0,02% an intersexuellen Menschen können die Kosten zur Gewährleistung der Gleichbehandlung zunächst hoch erscheinen. Genau darin liegt aber auch der Schlüssel zu einem tieferen Verständnis von Inklusion aller Mitarbeiter: jeden anzunehmen und zu schätzen, wie er, sie, x ist.

 

Dieser Artikel fasst meine Präsentation auf dem Sietar Europa Kongress in Leuven am 31.5.2019 zusammen. Diese basierte auf Unterlagen von Ulrike Weber & Christian Riekel. Beim Verfassen des Artikels hat uns Anna Haddick unterstützt.