Drei Fragen an Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha

Der erste Teil unserer neuen Reihe “Drei Fragen an…”, in der wir Wissenschaftler/innen nach Ihren interkulturellen Themenschwerpunkten und ihrer Einschätzung gegenwärtiger Entwicklungen befragen, mit der Soziologin und Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha.

1) Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha, was ist Ihr interkultureller Themenschwerpunkt? Woran forschen Sie gerade?
R.-v.T.:
Globalisierung und kulturelle/ethnische Identitäten
Multikulturalität im internationalen Vergleich
Gestaltung von Diversität
Integration als gesamtgesellschaftliche Verantwortung

2) Mit welchen Herausforderungen sieht sich die interkulturelle Forschung im Jahr 2018 konfrontiert? Welche Relevanz/welchen Impact hat sie heute?
R.-v.T.:
Gesamtgesellschaftliche Polarisierungen, welche die Offenheit für interkulturelle Fragestellungen einschränken
Social Media und die Politisierung von Identität
Auflösung Unterschiede Innen- und Außenpolitik
Unabsehbare Auswirkungen auf gesellschaftlichen Zusammenhalt

3) Was wäre Ihrer Meinung nach die wirksamste Methode, die Akzeptanz für Interkulturalität in der deutschen Gesellschaft zu erhöhen? (Die Frage ist bewusst breit gestellt.)
R.-v.T.:
Für dieses Problem gibt es keine einfache Lösung, sinnvolle Methoden wären aber u.a.:
Offene Diskussion über Gemeinsamkeiten, aber auch Anerkennung der Grenzen von Vielfalt
Besser vernetzter Austausch von best & worst practice
Dialog der Vertreter aktueller Forschung mit der Stadtgesellschaft im Sinne Öffentlicher Wissenschaft
Lifelong Learning in interkulturellen Bereich – von der Kita bis zu beruflichen Weiterbildung
Neue Formate digitalisierter Lehr- und Lernformen

Wir danken Ihnen für das Interview!

Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha ist Direktorin des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale in Karlsruhe (ZAK). Die in Glasgow geborene Soziologin und Kulturwissenschaftlerin ist zudem Koordinatorin des deutschen Netzwerks der Anna Lindh Stiftung, Mitglied im Fachausschuss Kultur der deutschen UNESCO-Kommission und Vorsitzende des Wissenschaftlichen Initiativkreises Kultur und Außenpolitik (WIKA) am Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), zu dessen Forschungsbeirat sie ebenfalls zählt. Darüber hinaus ist sie Herausgeberin von drei wissenschaftlichen Schriftenreihen sowie wissenschaftliche Leiterin der Karlsruher Gespräche, einer jährlich stattfindenden internationalen Konferenz, die sich zeitgenössischen kulturwissenschaftlichen Fragestellungen widmet (Quelle und weitere Informationen).

Was bewegt Sie gerade?

SIETAR ist schon ganz schön besonders — wir sind eine Gemeinschaft von beinah 600 Leuten, für die interkulturelle Themen zur tagtäglichen Wirklichkeit sind. Ob Integration, Migration, Bildungsfragen, Deutsch als Fremdsprache, Entsendung, Management, Third-Culture-Kids, transnationale Verhandlungen, und jede andere Art von Diversität.
Und wieso sind Sie eigentlich SIETAR-Mitgleid geworden? Wo ist der interkulturelle Bezug in Ihrem Leben? Bei mir werde ich jeden Tag daran erinnert, als unsere dreisprachige Familie “mit Migrationshintergrund” sich deutsch-englisch-russisch seinen Weg durch den Alltag bahnt. Wie ich mich dabei ertappe, die Augen zu rollen bei Forumlierungen im Deutschen, die aber zurück ins Russische übersetzt, vollkommen normal sind. Und wie in meinem interkulturellen Trainings wo ich über den Alltag zwischen zwei Welten anderen Leuten helfe, Situationen zu verstehen, die für mich zu Selbstverständlichkeiten geworden sind.
Bei Ihnen ist es vielleicht etwas ganz anders. Womöglich bewegt Sie die aktuelle politische Lage gerade besonders? Machen Sie sich noch mehr als sonst Gedanken über die gesellschaftliche Entwicklung? Der akutelle Diskurs fordert zum Nachdenken geradezu heraus.
Nutzen wir doch diese Vielfalt aus! Wir möchten Ihr Thema auf der SIETAR-Webseite sehen. Schicken Sie uns Ihr Kommentar, Aufsatz, Essay, Meinungsbild, Posse, oder sonstige Ideen ein und wir posten Sie im SIETAR-Blog. Schreiben Sie uns auch, was Sie gerade von SIETAR sehen und hören möchten. Lassen wir das SIETAR-Netzwerk aufleben!
Beiträge direkt an content (at) sietar-deutschland.de schicken. Wir freuen uns auf Ihren Input!

Drei Fragen an Prof. Dr. Daniel Ittstein

Prof. Dr. Daniel Ittstein ist derzeit Professor for International Management and Economics an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München. Basierend auf den Studien der Finanzwirtschaft und des Internationalen Managements beschäftigt sich Herr Ittstein seit nunmehr 20 Jahren sowohl forschend als auch praktisch, aus einer Profit- wie auch Non-Profit Perspektive, im Rahmen von kleineren wie auch sehr großen Organisationen mit internationalen Managementfragen. Sein regionaler Schwerpunkt ist hierbei Asien.

1) Was ist Ihr interkultureller Themenschwerpunkt? Woran forschen Sie gerade?
„Mein Themenschwerpunkt liegt im Bereich Interkulturelles Management, meine Forschungsthemen sind Interkulturalität und Digitalisierung.”

2) Mit welchen Herausforderungen sieht sich die interkulturelle Forschung im Jahr 2018 konfrontiert? Welche Relevanz/welchen Impact hat sie heute?
„Meiner Ansicht nach gibt es keine spezifische Herausforderung, die nur im Jahr 2018 bestehen würde.
Aber Themen, die relevant sind: Paradigmenwechsel in der Interkulturalitätsforschung weiterhin treiben; zunehmende Kooperation mit asiatischen, afrikanischen, lateinamerikanischen Forschern; zunehmende Öffnung des Forschungsfelds und vermehrte Kooperation mit Wirtschaft, Gesellschaft und Politik; Digitalisierung.”

3) Was wäre Ihrer Meinung nach die wirksamste Methode, die Akzeptanz für Interkulturalität in der deutschen Gesellschaft zu erhöhen?
„Relevanz herstellen indem man (mehr) zuhört und breiter denkt. Die Wissenschaft muss sich entsprechend noch deutlich mehr öffnen und gemeinsam mit Akteuren aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft relevante Lösungen entwickeln.”

mondial Themen 2019 – Ihr habt abgestimmt!

Liebe Leserinnen und Leser von mondial,
über hundert Teilnehmer in wenigen Tagen, wir sind begeistert über Eure rege Teilnahme an unserem Themenpoll!
Das Themenduo mit den meisten Stimmen lautet:
Interkulturalismus & Politk (Sommerausgabe 2019)
Interkulturalismus & Alltag (Winterausgabe 2019)

Ab sofort sind wir auf der Suche nach Beiträgen zu den beiden Themen!
Weitere Infos findet Ihr in unserem Call for Articles

RG München – Treffen am 18.10.

Integration Ja …aber nicht in meiner NachbarschaftWie uns moderne Gehirnforschung unterstützen kann in einer Welt mit paradoxen und komplexen Entwicklungen
Der Umgang mit Flüchtlinge ist ein ‚typisches‘ Beispiel eines schnell wechselnden, gesell­schaft­­lichen Klimas: von einer großen Offenheit mit ‚Willkommenskultur‘ hin zu Grenz-Schlies­sung mit Ankerzentren innerhalb von wenigen Monaten. Die wirtschaftlichen Fundamental-Daten in Deutschland sind grandios, gleichzeitig ist die Bevölkerung ‚unfassbar schlechter Laune‘ (T.Al-Wazir). Die politischen Systeme und internationale Beziehungen zwischen Nationen, die viele Jahre durch recht vorhersagbare Allianzen eine gewisse Balance und Sicherheit vermittelten, werden plötzlich durch ganz andere Konstellationen erschüttert. Klimawandel mit einem heißen Sommer und Dürre, künstliche Intelligenz + Digitalisierung mit einem potentiellen Wegfall vieler Arbeitsplätze sind weitere Unruheherde.
Auch wenn für viele Menschen der Alltag mehr oder weniger ‚wie immer‘ verläuft, sind Reaktionen wie “Feeling unsettled” — “being in a transition without knowing what will come” etc.— recht häufig.
Patrick und Eva haben die Ambition, durch ein Verständnis neurobiologischer Zusammen­hänge dazu beizutragen, dass wir nicht in einem emotionalen Defensivmodus mit Gefühlen von Überwältigtsein, Hilflosigkeit und Angst hängen bleiben, sondern bereit sind, uns mit Offenheit, Zuversicht und Engagement in unbekanntes Terrain zu bewegen. Wir glauben, daß gerade Interkulturalisten hervorragende Voraussetzungen dafür mitbringen, weil genau das die nötigen Qualitäten für Kommunikation, Kontakt und Zusammenarbeit mit anderen Kulturen sind.Wir wollen mit Euch diskutieren, wie wir diese Kompetenzen in einem komplexeren ‚Large-System-Change‘ nutzen können.
Patrick Schmidt, Diplom Psychologe, ist gebürtiger Amerikaner, aufgewachsen in Los Angeles. Seit über 25 Jahren arbeitet er als Berater und Trainer für deutsch-U.S. Geschäftsbeziehungen. Er ist sehr aktiv in SIETAR und war fünf Jahre Mitglied sowie Vorsitzender des Vorstandes von SIETAR-Europa. Zur Zeit ist er Chefredakteur der Zeitschrift SIETAR-Europa Journal.
Eva Röttgers, Diplom Pädagogin, seit 30 Jahren in der Führungskräfte-Entwicklung als Coach und Trainerin und in der Begleitung von Teams und Organisation in den verschiedensten kulturellen und organisatorischen Kontexten unterwegs. Ein neuer Schwerpunkt ihrer Arbeit in den letzten Monaten ist die Prozessbegleitung bei der Transformation von hier­archisch geprägter Zusammenarbeit hin zu agil-kollegialen, interdisziplinären Kooperationsformaten mit hohem Selbstorganisationsanteil.

Das Treffen findet statt:
Datum: Donnerstag, 18. Oktober 2018, 18:00 UhrOrt: Haus des deutschen Ostens (Am Lilienberg 5, Nähe Gasteig, S-Bahn Rosenheimer Platz, München)
Die Teilnahme an dem Regionaltreffen ist für SIETAR-Mitglieder kostenfrei, für Nicht-SIETAR-Mitglieder wird ein Kostenbeitrag von 10,- EUR erhoben.
Die Plätze sind (räumlich) limitiert, daher bitte ich um Anmeldung per Email an mich, dankeschön!

Andreas Hauser
regiomuenchen@sietar-deutschland.de

SIETAR Europa Congress 2019 in Löwen, Belgien

Liebe SIETAR-Mitglieder,
wir freuen uns, Sie erneut zu unserem alle zwei Jahre stattfindenden SIETAR Europa Congress 2019 einzuladen. Nach dem großen Erfolg von Dublin (2017), heißen wir Sie zum SIETAR Europa Congress 2019 vom 27. Mai bis 2. Juni herzlich in Löwen, Belgien willkommen.

SIETAR Europa Congress 2019
Motto: “Building Dialogues on Diversity – towards a future of hope”Ort: Löwen, BelgienDaten::
27. – 29. Mai: Pre-Congress Workshops
29. Mai: Congress Welcome Event
30. Mai – 1. Juni: Official Congress Dates
2. Juni: Post-congress Workshops
Kontakt: congress2019@sietareu.org

Auch dieses Mal wird sich der Kongress um mehrere Themen drehen, die in verschiedene Blöcke und Formate unterteilt sind.
Die Themenblöcke sind:

Business & Organizational Challenges – Leadership practices in turbulent times
Socio-political Concerns – Promoting unity in diverse societies
Migration – Building strength out of weaknesses
Education and Intercultural Professions – Recent research and other critical developments
Academic Track
Film Festival

Details zu den Congress Tracks, sowie Beteiligungsmöglichkeiten (*die Calls for participation sind am 15. November abgelaufen), Sponsoringmöglichkeiten und weitere Infos finden Sie unter: https://www.sietareu.org/seucongress2019/
Falls Sie Rückfragen haben, schicken Sie einfach eine E-Mail an: congress2019@sietareu.org (in English, please).

… Save the dates und bis bald in Belgien!